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Sommergalerie in der Petite Orangerie

Der in Basel geborene Hanns Studer (94) hat in Neuendorf bei Lauterbach seine dritte Ausstellung auf Rügen eröffnet. Er zeigt „Neue Arbeiten auf Leinwand und Papier“. Er hat einen neuen Stil gesucht und gefunden und das Abstrakte in den Aquarellen lebendiger gemacht, wie er sagt. Ohne zu zeichnen und sich mit Farben und Formen auf Papier zu beschäftigen, könne er nicht leben. Seine Frau Kilian hat ihn dabei bestärkt.

Die Ausstellung gibt ihm Kraft, neue Lebensfreude.
  „Wie weit ich auf dieser neuen Schiene komme, werde ich sehen“, sagt Hanns Studer mit einem Leuchten in den Augen. Sechs abstrakte Bilder und acht Aquarelle hängen nun in der kleinen Orangerie. „Ich glaube, dass ich nun doch schon ein bisschen zu alt bin, größere Dinge in Angriff zu nehmen“, bedauert er.

Im vergangenen Jahr hat er dort „Souvenirs“ gezeigt, die er als Erinnerungen von seinen frühen Reisen mitgebracht hat. So, wie andere fotografieren, skizzierte er damals, in der Mitte des Lebens, seine Eindrücke mit schneller Hand und hielt sie schließlich mit Aquarellfarben fest. „Diese Bilder waren mein Urlaubstagebuch, flüchtige Augenblicke“, sagte er damals und blickte auf die Bilder von den griechischen Inseln, auf die Silhouetten und Details spanischer Dörfer, auf Tänzer in bunten Trachten und Menschen in Kostümen, auf teils abstrakte Bilder. Seit er krank ist, habe er keine Reisen mehr unternommen, aber es sei ihm eine Freude, anderen Menschen diese Bilder zu zeigen.

Hanns Studers neue Werke, in denen er sich vom Figürlichen abgewandt hat, hängen in einem großen, hellen Raum, in dem sonst frostempfindliche Pflanzen überwintern, der Oleander und die Palmen, die er mit seiner Frau Kilian vor ein paar Jahren an den Rügenschen Bodden mit umgezogen hat.

Seit 2008 leben sie auf Rügen.
  Auch, wenn man einen alten Baum nicht verpflanzt, Hanns Studer tat dies gut. „Für jeden Sterblichen ist es ein Erlebnis, eine neue Welt zu entdecken und sie in sich aufzunehmen, das Meer und den Wind, die angenehmen Temperaturen, die hier wohl jetzt um zehn Grad niedriger sind als im Süden.“

Der Rollstuhl sei ihm eine Bremse, die er leider nicht verstellen kann. Er bedauert auch, dass er sich nicht mehr der Glasmalerei, seinem eigentlichen Metier, widmen kann. Das Großflächige funktioniere nicht mehr. „Ich bin alt, aber das ist ja keine Schande“, sagt er und lässt sich von seiner Frau zu dem Ginkgo schieben, den sie nach ihrem Umzug in den Garten gepflanzt haben. Der Schweizer Maler, Holzschneider und Glasmaler Hanns Studer berührt mit seinen Händen die jungen Blätter.

Und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. . .
  Seit 1946 haben diese Hände nicht weniger als 64 bibliophile Bücher, Mappen und Einblattdrucke mit meist mehrfarbigen Holzschnitten geschaffen. Sie haben mit Holzhammer und Stechbeitel große Wandbilder aus Holz gehauen und riesige Glasfenster für Kirchen, Rat- und Krankenhäuser in Deutschland und der Schweiz gezaubert.

Die Glasmalerei habe einen besonderen Stellenwert in der Malerei, denn keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchscheinendes Glasbild. Hanns Studers Liebe zur Farbe und zum Licht findet sich auch in den zarten Aquarellen wieder.

Bis zum 13. September ist La Petite Orangerie in der Neuendorfer Dorfstraße 3 bei Lauterbach immer montags, mittwochs, freitags und sonntags von 17 bis 19 Uhr geöffnet – oder nach Vereinbarung, Telefon: 03 83 01/67 08 06.

 

Die Inselexperten im Gespräch mit mit Hanns Studer:

…über den Umzug nach Rügen:

 

…über Hanns im Glück

 

… über Glasmalerei und die Farben

 

 

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Holger Vonberg

Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Jetzt gehört er als Inselexperte zur festen Besatzung der Tourismuszentrale Rügen. Er lebt mit seiner Frau auf Wittow und hat zwei erwachsene Kinder.

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