Fliegen über Rügen, ein himmlisches Vergnügen


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Ein typischer Sommertag auf Rügen: Die Sonne lacht. Große, weiße Quellwolken garnieren wie Zuckerwatte den blauen Himmel, ziehen filmreif über die Insel. Ideales Rundflugwetter. Gerhard Kleinert schiebt im Terminal von Güttin seine Lesebrille auf die Nase und füllt die nächsten Tickets aus. Der Mann im (Un-)Ruhestand ist Geschäftsführer der Ostsee-Flug-Rügen GmbH und jetzt zuständig für das Ein- und Aus-Checken.

Heute brummt das Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes. Bis zu 100 Flugbewegungen, also Starts und Landungen von eigenen und Gastmaschinen, werden im Tower registriert. Ein Ehepaar aus der Nähe von Rendsburg gönnt sich die große Tour, einen Inselrundflug, der von Güttin über Stralsund, Hiddensee, Arkona, entlang der Kreideküste und vorbei an den Ostseebädern bis nach Göhren führt und in Güttin wieder endet. Die beiden warten auf ihren Piloten. Der ist mit der kleineren Maschine noch in der Luft.

Mit der Cessna 206 werden sie nachher abheben.
  Das ist die größere Maschine,denn auch ein Paar aus Itzehoe will die große „Platzrunde“ fliegen. Die Fotoapparate sind griffbereit. „Es ist schon lange her, dass ich in einer so kleinen Maschine gesessen habe“, erzählt der Urlauber, der mit seiner Frau in Sassnitz ein Urlaubsquartier gefunden hat. „Wir haben den Rügentipp von einem Arbeitskollegen und sind angenehm überrascht vom Preis-Leistungsverhältnis auf der Insel.“ Jetzt freue er sich darauf, die Kreidefelsen aus der Luft zu sehen. Vielleicht reicht der Blick ja bis nach Møn oder Bornholm. „Sie werden gute Sicht haben, unter den Wolken bleiben und mit rund 200 Kilometern pro Stunde auf rund 2000 Fuß fliegen, das sind etwa 600 Meter“, bereitet Gerhard Kleinert die vier Schleswig-Holsteiner auf ihr Abenteuer vor.

Er selbst habe vor einiger Zeit ein noch viel spannenderes Abenteuer erlebt: einen Tandemsprung aus 3000 Metern Höhe. „Wir sind fast anderthalb Kilometer im freien Fall unterwegs gewesen“, erzählt der 66-Jährige, dessen Augen noch immer vor Freude strahlen. „Das müssen Mann und Frau unbedingt ausprobieren, wenn die Fallschirmspringer „auf einen Sprung“ nach Rügen kommen und gern im Restaurant am Flugplatz einkehren. Der selbst gebackene Kuchen, den es dort gibt, lockt sogar Flieger aus Hamburg nach Rügen.

Zu den besonderen Fluggeräten, die hier schon mal gelandet sind, zählen zwei legendäre Maschinen: die AN-2, der größte Anderthalbdecker der Welt aus dem Hause Antonow, und die Ju-52, ein dreimotoriger Eindecker von Junkers, zwei betagte Typen, die liebevoll Anna und Tante Ju genannt werden.

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit.
Und diesen Traum können sich Luftfahrtbegeisterte in Güttin erfüllen, denn hier werden auch Schnupperflüge für Leute angeboten, die selbst einmal Pilot sein wollen. Was für ein Gefühl, das Steuerhorn zu übernehmen und in die Pedale fürs Seitenleitwerk zu treten. „Das ist eine besondere Geschenk-Idee, die gern angenommen wird“, so Gerhard Kleinert. Auch Fotoflüge und kleine Runden bis nach Stralsund oder Prora, Binz und Putbus werden angeboten. „Gegen Abend, wenn die Sonne flach steht, bieten sich außergewöhnlich romantische Sichten auf das hügelige Mönchgut“, schwärmt Gerhard Kleinert. „Faszinierend auch die Boddengewässer zwischen Rügen und Hiddensee mit ihren kleinen Inseln, Sandbänken und schmalen Fahrrinnen.“

Auch unter den Wolken kann die Freiheit grenzenlos sein.
  An ein Erlebnis erinnert er sich gern. Vor ein paar Jahren war er mit den Piloten des Aeroclubs Rügen auf Stippvisite bei Störtebeker. Sie wollten einmal ganz privat das Abschlussfeuerwerk der Festspiele aus sicherer Entfernung von oben erleben. „Ein fantastischer Anblick“, schwärmt Gerhard Kleinert. „Der Bodden glänzte in Silber, angestrahlt vom Mond, dazu das Freilufttheater, das in Licht getauchte Schloss Ralswiek, das Feuerwerk. Solche Bilder vergisst man nicht.“

Bei leichtem Seitenwind landet eine Cessna.
  Butterweich setzt Pilot Gerhard Bötzer die Maschine auf. Nur kurz quietschen die Reifen beim Kontakt mit der Landebahn. Der Geruch von verbranntem Gummi zieht für einen Moment in die Nase. Gerhard Bötzer kennt Güttin seit 1974. Wo heute eine 900 Meter lange und 20 Meter breite Asphaltpiste ist, war damals nur grüne Wiese. Hier wurde er zum Agrarflieger ausgebildet. Seitdem hat er weit mehr als 15 000 Flugstunden und über 110 000 Landungen absolviert. Ein paar werden noch dazukommen, bevor er sich im Jahr 2015 mit 65 aus der kommerziellen Fliegerei verabschieden muss.

Der Rostocker ist gern mit Passagieren in der Luft und zeigt ihnen „seine Insel“. Als Agrarflieger hatte er mehr Stress, wenn er mit dem „Arbeitstier“, der Z-37, im Tiefflug Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf die Felder sprühte. „Manchmal klebte nach dem Sprühen sogar Raps am Fahrwerk. So tief waren wir damals mit unserer Hummel unterwegs. Aber das ist Geschichte.“

Jetzt kommt der Pilot Joachim Radloff vom Tower. Mit seinem Head-Set geht er zur Cessna 206, begrüßt die Passagiere. Ein Urlauber darf als „Co-Pilot“ neben ihm Platz nehmen. Jetzt strahlt nicht nur die Sonne. Rügen von oben, ein himmlisches Vergnügen.

 

www.Flugplatz-Ruegen.de


FEEDBACK

ABO