Von Stehbrettseglern, Surfaris und Ummaii auf Rügen


Berichte von Einheimischen.

Die Entdeckung des größten Stehreviers Deutschland auf der Insel Ummanz

Es gilt als „Mutter aller Trendsportarten“: das Windsurfen. Und als der Trend in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts wie eine Welle aus den USA nach Europa herüber schwappte, machte er auch vor dem „eisernen Vorhang“ nicht Halt: Sogar in der DDR etablierte sich – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – eine kleine, aber respektable Szene.

Während sich die Windsurfer im Westen mit immer neuen bunten Segeln und Boards aus Epoxidleichtbauweise ausstatten konnten, mussten die Rügener Surfer einiges an Einfallsreichtum an den Tag legen. Immerhin sah die Regierung das „Stehbrettsegeln“ – so die offizielle Bezeichnung in der DDR – nur sehr ungern, hatten doch immer wieder DDR-Bürger versucht, mit dem Surfbrett über die Ostsee aus dem sozialistischen System zu fliehen.

Mit der Wende aber stand einer zügigen Entwicklung und Professionalisierung des Wassersports nichts mehr im Wege: Eine kleine Gruppe von Windsurfern gab es damals auf Rügen schon. Was fehlte, waren Schulen, Verleihstationen und Unterkünfte in der Nähe der geeigneten Reviere, die in der Szene „Spots“ heißen. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – war die noch unentdeckte Ostsee rund um Rügen für Surfer aus den westdeutschen Bundesländern ein riesiges Abenteuerland, das viele Interessierte mit Neugier zu erkunden begannen. Und so kam es, dass sich der eine oder andere in die optimalen Bedingungen rund um Rügen verliebte und zu bleiben beschloss.

Auch Achim Keilich, heute Eigentümer der Surfschule Windsurfing Rügen in Suhrendorf auf der Insel Ummanz, ging Anfang der 90-er Jahre auf „Surfari“ nach Rügen. Er kam, um zu bleiben. 1994 eröffnete er an Deutschlands größtem Stehrevier mit einem Geschäftspartner auf dem Ostseecamp Suhrendorf seine erste eigene Surfschule. „Die Anfänge waren abenteuerlich, aber szenetypisch“, erzählt Achim mit einem Grinsen im Gesicht, „Wir haben, wie viele andere Betreiber zu Beginn auch alles selbst gemacht, also geschult, vermietet, organisiert und den Kontakt zu den Gästen gehalten.

Geschlafen haben wir zunächst in einem Wohnwagen hinter der Surfschule.
Das war schon mit ein bisschen Improvisation verbunden, wenn wir mal ein paar Tage Dauerregen hatten und die Klamotten gar nicht mehr trocken zu kriegen waren.“

Dennoch erinnert er sich gern an die Anfänge, als die Tage mit Büro, Schulung und Abendprogramm mit den Gästen zwar lang, aber weniger hektisch als heute waren. „Mein Büro war dann auch mal zeitweilig die Telefonzelle an der Rezeption. Da stand ich dann mit einer Tasche voll Kleingeld und meinem Terminplaner auf dem Telefonbuch und wurde von der entnervten Schlange hier mir böse angeguckt, weil es natürlich etwas länger dauerte“, berichtet er lachend.

Auch immer mehr Ostdeutsche kamen nach und nach auf den Geschmack und entdeckten das Windsurfen und die Reviere an der Ostseeküste des noch jungen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, die sich nun zu angesagten Spots mauserten, für sich. So wuchs auch die Surfschule von Windsurfing Rügen über die Jahre – sowohl räumlich als auch personell. Achim und Team unterrichteten nicht mehr nur Windsurf-Schüler, sie verliehen auch Kanus. Und seit Anfang des neuen Jahrtausends geben sie auch Unterricht im Kitesurfen, dem nächsten Wassersporttrend aus den USA. Heute finden sich bei westlichen Winden Rüganer, treue Ummanzfans, aber auch immer wieder neue Gesichter am beliebten Stehrevier in Suhrendorf zur gemeinsamen Session ein.

Nach einem guten Tag auf dem Wasser haben Surfer und Kiter Hunger, Durst und sind durchaus bereit noch eine gute Party im Anschluss an die Surf- oder Kitesession zu feiern. Und auch darauf hat Achim seit 2006 die passende Antwort:

Nur wenige Hundert Meter neben der Surfschule hat er das Rügen Surfhostel eröffnet, wo es neben einem Schlafplatz im Mehrbettzimmer auch leckere Pizza aus dem Steinofen, Cuba Libre & Co. und immer wieder gute Livemusik gibt.
„Als das ehemalige Jugenddorf zur Neuverpachtung frei wurde, haben wir im Team überlegt, ob wir den Schritt wagen sollen, und nicht nur Betreiber einer Surfschule sein wollen, sondern auch noch Gastgeber, und haben dann entschieden, das Hostel zu eröffnen“, erinnert sich Achim. Im Hostel mit seinem Baumhausrestaurant und der Tiki Bar herrscht heutzutage immer buntes Treiben: Neben Jugendgruppen finden sich abends Surfer und Kiter, aber auch Familien mit kleinen Kindern und Urlauber aus den Nachbargemeinden im Surfhostel zu einer Pizza und einem Sundowner ein. Nicht zuletzt wegen des Sonnenuntergangs hinter Rügens kleiner Schwesterinsel Hiddensee, den man mit einem leckerem Cocktail von einem der Baumhäuser perfekt genießen kann.

Warum also zum Surfen und zum Sonnenuntergang gucken noch Hawaii reisen?
Ummanz – oder besser gesagt Ummaii, wie das Team von Windsurfing Rügen ihre kleine Lieblingsinsel liebevoll nennt – Ummanz hat alles, was das Surfer-Herz begehrt. Von Mai bis September ist das Ummaii-Feeling live zu erleben: Die entspannte Stimmung rund um das Rügen Surfhostel hat bisher jeden angesteckt. Egal, ob tagsüber bei Westwind, wenn der Bodden voller bunter Segel und Kites ist und ordentlich Action auf dem Bodden herrscht, oder abends, wenn es im Hostel verführerisch nach Pizza duftet. Müde, aber selig, genießen die Surfer, Kiter und ihre Freunde und Gäste dann nach einem intensiven Surftag den wohl schönsten Sonnenuntergang auf ganz Rügen.

Alle Infos zur Surfschule und zum Rügen Surfhostel gibt es auf www.surfen-auf-ruegen.de


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