Dreh auf Rügen mit Christine Neubauer: Ein Daunenmantel für die Dame in Rot


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Rügen hat sich längst zu einer Film-Insel gemausert. Serien wie „Hallo Robbie“ spielen hier, Krimis und auch Liebesfilme wurden und werden gedreht. Schöne Bilder und eine perfekte Werbung für das Eiland.

Anfang Juli 2007: „In zwei Minuten ist die Sonne wieder da.“ Ein junger Mann mit Basecap und dunkler Brille hat den Kopf im Nacken, einen Knopf im Ohr und ist der „Sonnensucher“ am Set. „Insel des Lichts“, so der Arbeitstitel eines Films, der in diesen Tagen auf Rügen so gut wie im Kasten ist.

In der Hauptrolle: Christine Neubauer als Nora Bernd, eine Fernsehmoderatorin. In ihrer Show versorgt sie Menschen mit Tipps zur Bewältigung ihrer Lebenskrisen. Im eigenen Leben aber hat sie viel falsch gemacht. Sie ist geschieden von Heiner (Jan Fedder) und hat keinen Kontakt zu ihrer Tochter, gespielt von Julia Hartmann. Als das zehnjährige Jubiläum ihrer Sendung gefeiert wird und Nora Bernd in einer Live-Sendung „ihre Familie“ vorstellt, platzt eine „Bombe“. Ist alles nur Schein? Hat Nora ihren Ehemann und ihre Tochter wegen eines anderen sitzen gelassen?

Auf ihrer Heimatinsel Rügen muss Nora sich der Wahrheit stellen.

In der Kirche von Waase bibbern die in festliche Roben gehüllten Komparsen.
Eine Hochzeit soll gedreht werden. Nora Bernds Tochter heiratet. Auch Haflingerzüchter Norbert Briesemeister hat sich „in Schale“ geworfen. „Ich habe Requisiten für die Filmleute gefahren. Und da wurde ich gefragt, ob ich mitspielen möchte. Natürlich habe ich zugesagt. Ist doch mal was Anderes.“ Er hat Glück. Er sitzt im Anzug in der kalten Kirche. Leichter bekleidet ist Komparsin Ines Sperling. Auch sie sucht die Sonne. „Da müssen wir durch. Es macht aber Spaß, dabei zu sein“, sagt die Rüganerin, die sich ein heißes Getränk beim Catering holt. „Wir spielen die Hochzeitsgäste und warten auf das Brautpaar. Man muss da schon Geduld haben.“

Ruth Maria Kubitschek (Tante Lottie im Film) steht am Fenster und blickt auf das Geschehen im Pfarrhof. Es geht entspannt zu. Es wird umgebaut und Kaffee getrunken. Bernsteine funkeln am Handgelenk von Ruth Maria Kubitschek. „Die habe ich hier auf Rügen gekauft.“

„Bernstein hatte ich bis jetzt noch nicht.“

Die Schauspielerin strahlt Ruhe aus. Drehtage sind anstrengend. Woher sie ihre Kraft nimmt? „Aus der Meditation. Ich glaube, dass es das Wichtigste im Leben ist, dass wir, wenn wir ständig ins Außen gehen, auch nach Innen gehen müssen. Und wenn du kein Innen hast, bist du nichts.“ Seit vielen Jahren schreibt sie Bücher, die die Menschen aufmerksam machen sollen auf die Schönheiten der Natur. Anregungen will sie auch auf Rügen suchen.

Wolken und kühler Wind ziehen über den Focker Strom. Drehen heißt warten. Wieder stimmt das Licht nicht. Schauspielerin Christine Neubauer hat sich in einen langen Daunenmantel gehüllt. Sie ist leicht erkältet, ist bei einem Dreh an der Steilküste „vom Regen durchgewaschen“ worden. Sie hält eine Tasse mit Ingwer-Tee in der Hand und trägt unter dem Daunenmantel einen Traum von Seidenkostüm, ganz in Rot. Ein Designerstück. Auf ihrem Kopf sitzt ein Hauch von einem Hütchen mit raffiniertem Netzteil, das die Augen keineswegs verschleiert. „Diesen Hut habe ich von Regina Ziegler, unserer Produzentin. Der reißt auch meinen Kollegen Jan Fedder vom Hocker.“ Jan Fedder, ihr „Film-Ex-Mann“, legt die Stirn in Falten und sagt mit lachenden Augen und glimmender Zigarette:

„Dieser Hut war doch der Scheidungsgrund.“

Christine Neubauer winkt schmunzelnd ab. Wenn der Drehtag vorbei ist, wird sie wieder joggen am Binzer Strand. Das mache sie bis der Strand zu Ende ist und mit großer Leidenschaft. Die Insel kennt sie weniger, weil wenig Zeit bleibt beim Drehortwechsel. Das bedauert die Bayerin auf Rügen.

Es ist der erste Film, den Regina Ziegler auf Rügen produziert. „Ich bin sehr begeistert von der Insel. Wir haben hier Möglichkeiten, die filmisch noch gar nicht wahrgenommen wurden. Die Landschaft ist unverbraucht. Die Weite ist spannend, die Wolkenbildung hervorragend, auch das Meer, die Fischerei, die Boote. Ein Traum.“

Die Sonnenvorhersage stimmt. Der Mann mit der dunklen Brille und dem Knopf im Ohr ruft zum Kameramann Claus Peter Hildenbrand. „Alles klar, CP. Die Lücke bleibt fünf Minuten.“ Dann geht es Schlag auf Schlag. Alle auf Position, alles auf Anfang. „Achtung! Ruhe bitte, wir drehen!“ „Keine Fotos!“ (Das Klicken stört.) „Ton ab! Ton läuft!“

 

Der Film erlebte am 5. Juni 2008 im Ersten und auf ORF2 seine Fernsehpremiere.

 


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