Friedwald im Schlosspark zu Pansevitz


Susanne Burmester lebt seit 1990 auf Rügen. Sie schreibt über Kunst und Künstler, für spannende touristische Imageprodukte und gerne über kulturelle Höhepunkte des Insellebens. Als Galeristin für zeitgenössische Kunst ist sie viel unterwegs. Das schärft den Blick für das Glück... mehr

Bei der alternativen Bestattungsform übernimmt Natur die Grabpflege

Viele Menschen verbringen jedes Jahr ihre Ferien auf der Insel Rügen, weil sie die Landschaft lieben. Längst sind nicht mehr nur die Badeorte an der Ostsee Ziel der Reise, sondern auch die vielgestaltige Rügener Boddenlandschaft und das idyllische Hinterland. Auf ihren Wanderungen und Radtouren, vielleicht unterwegs zu Schlössern, Herrenhäusern und Parks besuchen einige von ihnen auch Ruine und Park zu Pansevitz. Kein Gebäude symbolisiert so bildmächtig den allgemeinen Verfall der Gutshäuser zu DDR-Zeiten wie der Treppenturm des ehemaligen Schlosses. Er wurde von der Stiftung „Schlosspark Pansevitz“ als Ruine gesichert und ist heute begehbar.

Auf englischen Friedhöfen des 19. Jahrhunderts wurden ähnliche Monumente als „falsche“ Ruinen erbaut, um auf die Vergänglichkeit des Seins hinzuweisen.
Auch darum war es eine kluge Idee den 34 Hektar großen Schlosspark, der ebenfalls dem Verfall ausgesetzt war, 2006 zu einem „Friedwald“ zu machen. Als alternativer Friedhof im Wald, dient er heute Menschen, die auch im Tode der Natur nah sein möchten, als letzte Ruhestätte. Die schönsten Bäume des Parks hat Förster Dani Neubeck als Grabstätten ausgewählt – ehrwürdige Buchen, stattliche Linden und prächtige Douglasien. „Die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe finden möchten, identifizieren sich sehr mit dem bescheidenen Charme, den der westliche, ruhigere Teil der Insel Rügen ausstrahlt.“ Zu den Beisetzungen wird die Asche der Verstorbenen an den vorher ausgewählten Bäumen eingesetzt.

Den Ablauf der Beisetzung kann jeder selbst bestimmen: ob mit Pfarrer oder einer nichtkirchlichen Ansprache, mit Musik oder im Stillen. Der Park zu Pansevitz ist für jeden zugänglich und von einzigartiger poetischer Stimmung, mit Alleen, die auf die einstige Anlage verweisen, großen Einzelbäumen, die starke Zeichen setzen und spiegelnden Wasserflächen. Farbige Bänder an den Bäumen markieren Grabstätten, die noch ausgewählt werden können – blaue Bänder bezeichnen einen Familienbaum, gelbe einen Gemeinschaftsbaum. Zu den Beisetzungen werden biologisch abbaubare Urnen in mit Blüten und Zweigen geschmückte Graböffnungen an den Bäumen herabgelassen. Auch der Grabschmuck sollte aus der Natur stammen – denn sie übernimmt auf diesem Friedhof die Grabpflege. Auf der ansprechend gestalteten und sehr informativen Website www.friedwald.de kann man an einer Führung durch einen Friedwald teilnehmen. Auch Fragen zur Sicherheit, zu den Grabarten und Kosten einer solchen Bestattung sind dort zu finden.

Weitere Informationen:
www.stiftung-schlosspark-pansevitz.de

 


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