Kleine Bahn auf großer Insel – „Rasender Roland“


Berichte von Einheimischen.

Es dampft, es zischt und es pfeift – mit einem fröhlichen Winken setzt der Lokführer den „Rasenden Roland“ in Bewegung… Schon seit dem Ende des vorletzten Jahrhunderts dampft die historische Schmalspurbahn durch den Südosten der Insel Rügen.  Ursprünglich gebaut, um landwirtschaftliche Güter zu transportieren, entwickelte sich die Rügensche Kleinbahn jedoch zumindest auf der Bäderlinie zwischen Putbus und Göhren recht schnell zu einem wichtigen Verkehrsmittel. Der Zuverlässigkeit der mit Dampfloks bespannten Züge und ihr historischer Charme begleiten die Feriengäste der Insel Rügen seit Jahrzehnten bei Ausflügen und auch bei ihrer An- und Abreise. Seit ungefähr 110 Jahren zieht der „Roland“ seine Bahnen durch die wohl anmutigsten Landstriche Rügens: Nachdem die Züge den Kleinbahnhof mit Lokschuppen und Wagenwerkstatt im ehemaligen Residenzstädtchen Putbus verlassen, eröffnet sich seinen Fahrgästen die typische südrügensche Insellandschaft mit ihren altehrwürdigen Alleen, den idyllischen Dörfern und den weiten Wiesen und Feldern. Bis im mondänen Ostseebad Binz die Szenerie wechselt: durch die schattigen Weiten des Granitz-Waldes geht es entweder zu Fuß zum berühmten gleichnamigen Jagdschloss oder auf 750 mm Spurweite weiter in Richtung der Ostseebäder Sellin, Baabe und Göhren.

Und während man so aus dem Fenster schaut und die Insel langsam an sich vorüberziehen sieht, kommt man kaum umhin, sich zu fragen: „Wie kam die Bahn eigentlich zu ihrem Namen?“
Auch wenn man den Ursprung dieses Spitznamens für die Schmalspurbahn heute nicht mehr genau rekonstruieren kann, so geht man doch davon aus, dass es in den 60-er Jahren Kumpel der erzgebirgischen SDAG Wismut waren, die der Bahn während ihres Erholungsurlaubs auf der Insel Rügen diesen Namen gaben. Sicher ist, dass das Attribut „rasend“ liebevoll-ironisch gemeint war. Denn auch damals galten die rund 30 Stundenkilometer, mit denen der Roland unterwegs ist, nicht gerade als rekordverdächtige Geschwindigkeit.

Und noch heute brauchen die ganzjährig mit Dampflokomotiven bespannten Züge eine gute Stunde für die 24,2 Kilometer lange Strecke zwischen Putbus und Göhren. An insgesamt dreizehn Stationen macht der „Rasende Roland“ unterwegs Halt – auch an mehreren etwas abseits gelegenen Haltepunkten inmitten des Biosphärenreservates Südostrügen.

Alle zwei Stunden ziehen die Züge ihre Bahnen – und zwar das ganze Jahr über. Im Sommer sind es sogar drei Dampfzüge, die auf der Schmalspur-Strecke pendeln, um die Fahrgäste, die in der Hauptsaison besonders zwischen Binz und Göhren sehr zahlreich sein, gewohnt bequem „von A nach B“ zu bringen. Und das auch abends. Außerdem verbinden die Züge der Schmalspurbahn in der Hauptsaison – zusätzlich zum normalspurigen Triebwagen der PRESS – über ein knapp drei Kilometer langes Dreischienengleis das Städtchen Putbus mit der Station Lauterbach Mole. Gemächlich und ohne Hektik, weit weg von dichtem Verkehr und ermüdender Parkplatzsuche, genießen Urlauber ebenso wie einheimische Pendler entspannt die Touren mit dem „Rasenden Roland“.

Die abwechslungsreiche Landschaft der Insel und der unwiderstehliche Charme historischer Technik verbinden sich auf einer Fahrt mit der traditionsreichen Schmalspurbahn zu einem unvergesslichen Reiserlebnis.

Der „Rasende Roland“ ist eben Eisenbahnromantik pur und fasziniert mit Technik zum Anfassen: Wer sich für die nostalgische Technik – das Gewirr aus Hebeln, Schaltern und Armaturen – interessiert, kann eine Führerstandsmitfahrt buchen und dem Lokpersonal bei seiner oft schweißtreibenden Arbeit über Schulter schauen. Auch Buffet-Wagen und offene Aussichtswagen werden zu bestimmten Zeiten aus den Lokschuppen geholt; und in jedem Zug finden viele Fahrräder Platz. Mit dem „Wasser-und-Dampf“-Ticket bietet die Rügensche Bäderbahn – so ihr offizieller Name – zusammen mit der Weißen Flotte, die Möglichkeit, Bahn- und Schiffstouren auf verschiedenen Routen mit einander zu verbinden und die Schönheit von Deutschlands größter Insel auch vom Wasser aus zu bestaunen.

(Text: Matthias Kley)

Fon: 03 83 01 – 88 40 12
www.ruegensche-baederbahn.de


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