Sylva Rahm-Präger und die Molkerei Poseritz


Seit 2004 arbeitet Janet Lindemann als Freie Journalistin auf der Insel Rügen. Sie interessiert sich besonders für die Themen Kultur, Natur, Tourismus und Reisen. Ihre Text- und Bildbeiträge erscheinen unter anderem im Sommer-Magazin der Ostsee-Zeitung, dem Magazin für schlaue Eltern... mehr

Es ist später Nachmittag. Die technischen Geräte im Produktionsraum der kleinen Molkerei stehen still. Der Boden ist feucht vom Schrubben und Wischen. Durch die Fenster dringt warmes Abendlicht. Im Eingangsbereich stehen Kisten randvoll gepackt mit Wildfruchtaufstrichen und Sanddornsaft. Obenauf liegen druckfrische Etiketten und Preispistolen. Vor einer Stunde wurde hier das letzte Glas verschraubt und mit dem nostalgischen Aufkleber, einem strahlenden Milchmädchen, versehen. Die Schicht der Mitarbeiterinnen ist längst beendet. Im Hofladen und im Café allerdings herrscht noch reger Betrieb. Abseits der Touristenpfade befindet sich eine der kleinsten Molkereien des Landes, die „Rügener Inselfrische“ in Poseritz. Chefin ist Dr. Sylva Rahm-Präger (52). Im Wintergarten erzählt sie Gästen aus dem Produktionsalltag.

380.000 Liter Milch und 14 Tonnen Wildfrüchte werden jährlich von den zehn Mitarbeiterinnen des Regionalbetriebes zu Joghurt, Quark und Frischkäse verarbeitet – ohne Zusatzstoffe und chemische Zusätze.
Die Milch stammt von Poseritzer Kühen, die Säfte kommen von Produzenten aus der Region. Mit der Molkerei, in der die gesunden Naturprodukte hergestellt werden, hat sich die Agrarwissenschaftlerin Sylva Rahm-Präger im Jahr 1998 einen Traum erfüllt. Dafür hat sie den Städten Berlin und Hannover den Rücken gekehrt: „Ich wollte weg von der Genforschung und zurück auf die Insel Rügen.“ Die hatte sie im Alter von 16 Jahren verlassen, um in Velgast eine Berufsausbildung zu absolvieren und später an der Humboldt-Universität in Berlin zu studieren. Zurück auf der Insel hat sie dann mit Hilfe eines erfahrenen Molkereimeisters einen ehemaligen Schweinestall zur Molkerei umbauen lassen. Die Nachfrage nach den Produkten aus der Poseritzer Molkerei ist ungebremst. Fünf Mal die Woche beliefert ein Fahrer Läden, Kliniken, Gaststätten, Hotels auf der Insel Rügen und in Stralsund. Der Wagen ist bis unter das Dach mit Konfitüren, Gelees, Joghurt und anderen Milchprodukten gefüllt. Auch große Märkte wie real,- oder famila in Bergen, Netto oder Edeka gehören zu den Abnehmern. 700.000 Euro Umsatz erwirtschaftet die „Rügener Inselfrische“ in einem Geschäftsjahr. Vor zehn Jahren waren es noch 350.000 Euro.

Neue Rezepte kommen von den Käufern selbst.
Die Frischkäsebällchen mit Meerrettich oder Paprika beispielsweise sind auf Kundenwunsch entstanden. Den Quark mit Sanddorn hat Sylva Rahm-Präger selber im Team durchgesetzt – heute gehört er zu den Rennern im Sortiment. Sechs bis sieben Tonnen dieser vitaminreichen Frucht werden jährlich benötigt. „Die Menge ist zu groß, um sie von der Insel zu beziehen“, bedauert sie. Deshalb kommt der Sanddorn aus anderen Teilen der Bundesrepublik. Schlehen, Holunder, Wildkirschen und alle anderen Wildfrüchte stammen von regionalen Produzenten wie dem Obstparadies Altkamp bei Putbus. 28 Milch-Produkte und 18 verschiedene Fruchtaufstriche stehen derzeit auf der Angebotsliste. Sylva Rahm-Präger brennt für Rügen und ihr Unternehmen. So ist sie im gesamten Bundesgebiet auf Messen und Märkten unterwegs, um ihre Heimatinsel und die Milchprodukte mit wohlklingenden Namen wie Vanilletraum bekannt zu machen. Sie schätzt den direkten Kontakt zu Kunden und deren Wünsche genauso wie ein eingespieltes Team. Einmal täglich wird im Kollegenkreis über das aktuelle Tagesgeschehen, aber auch über Ängste und Bedürfnisse gesprochen. „Das schweißt zusammen“, weiß Rahm-Präger. Auch nach Feierabend ist die agile Geschäftsfrau mit dem Sinn für eine artgerechte Tierhaltung und umweltgerechte Landwirtschaft aktiv. So geht sie mehrmals die Woche Reiten und gibt selbst auch Unterricht. Es ist ihr wichtig, Menschen in diesem Land für gesunde Lebensmittel zu begeistern und ihren Wunsch nach Produkten ohne Zusatzstoffe und chemische Zusätze in die weite Welt zu tragen.


FEEDBACK

ABO


2 Kommentare

  • Hallo,ich hab gerade den Bericht über Sie und ihren Betrieb gesehen (NDR).
    Toll!
    Ich möchte ihren Betrieb gern besichtigen.
    Wann ist der nächste Tag der offenen Tür?
    Liebe Grüße aus der Altmark

    • Herzlichen Dank für Ihr Interesse an unseren lokalen Produkten! Sie können die Molkerei in Poseritz über die Webseite http://www.ruegener-inselfrische.de/ kontakten, dort finden Sie auch die aktuellen Öffnungszeiten für den Hofladen und das Café. Für eine Betriebsbesichtigung nehmen sie bitte direkt Kontakt zu der Molkerei auf. Wir wünschen Ihnen schon heute einen guten Appetit und einen schönen, informativen Aufenthalt auf unserer Insel.
      Beste Grüße von Rügen
      Natalie Schlemper
      P.S.: Ich persönlich bin ganz verrückt nach der Sahne aus Poseritz, lohnt sich wirklich einmal sie zu probieren!