Rügens Schlösser, Guts- und Herrenhäuser


Berichte von Einheimischen.

Alter Adel, neuer Glanz

Es gibt wohl wenige Orte oder Bauwerke, die mehr über die Geschichte der Insel Rügen erzählen könnten, als die Schlösser, Guts- und Herrenhäuser auf der Insel. Seit dem frühen Mittelalter bauten und wirtschafteten hier Herren und Herrscher und hinterließen ihre Architektur gewordenen Spuren. Von den ältesten sind selten mehr als Reste der einst stattlichen Wall- oder Befestigungsanlagen erhalten geblieben – am bekanntesten und imposantesten: die Burgwälle am Kap Arkona, in Garz und auf dem Rugard in Bergen. An anderen Standorten entstanden neue Herrenhäuser und Gutshöfe, deren Besitzer im Laufe der Jahre und Jahrhunderte oft wechselten, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt wurden und die auch immer wieder architektonischen Moden und dem jeweils zeitgenössischen Geschmack gemäß um- oder ausgebaut wurden.

Die ältesten noch erhaltenen Bauten entstanden im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.
Im Dreißigjährigen Krieg, in dessen Verlauf Rügen bis 1815 der schwedischen Krone zufiel, gingen viele Bauernhöfe in bestehende Rittergüter über. Noch während des Krieges und vor allem danach entstanden zahlreiche neue Gutsanlagen, bestehende wurden ausgebaut. Wie in Spyker entstanden meist barocke Bauten mit oft sehr aufwändig gestalteten Stuckdecken oder üppigen Deckenmalereien.

Im 18. und 19. Jahrhundert wiederum waren es der Klassizismus und der Historismus, der Bauherren, Schlossherren und Architekten umtrieb. Das einstige Schloss in Putbus und das Jagdschloss Granitz entstanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergten die Schlösser, Guts- und Herrenhäuser Flüchtlinge, ihre Besitzer wurden enteignet und zu DDR-Zeiten verfielen viele Herrenhäuser, wurden abgerissen oder wie das Putbusser Schloss gesprengt. Auch mit anderen herrschaftlichen Häusern ging man zu dieser Zeit wenig zimperlich um, dienten doch viele als inoffizielle Baustofflager. Andere konnten sich als Museum, Ferienheim, Altenheim, Schule, Verwaltungsgebäude oder Wohnhaus mehr schlecht als recht über die Jahre retten. Die Häuser wurden meist nur notdürftig instand gehalten, etliche standen gar leer.

Mittlerweile haben viele frühere Besitzer ihre Güter zurückerhalten oder wiedererworben und fachgerecht instand gesetzt und saniert. Einige dienen als Wohnhaus, andere werden touristisch genutzt, beherbergen komfortable Ferienwohnungen, luxuriöse Hotelzimmer oder erstklassige Restaurants.

150 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser, so schätzt man, haben die Jahre überdauert.
Sie erzählen von einer bewegten Geschichte, von Persönlichkeiten und Familientraditionen und einige wenige träumen noch in wild-romantischen Gärten vor sich hin.

 

Wertvolle Tapeten und hochkarätige Konzerte

Exemplarisch ist die Geschichte des Gutshauses Boldevitz: 1635, noch während des Dreißigjährigen Krieges, begann die im Dorf Boldevitz ansässige Familie von Rotermund mit dem Bau eines neuen Herrenhauses, dessen Kern bis heute erhalten ist. Zwischen 1712 und 1945 gab es immer wieder neue Besitzer, dann folgte die Enteignung. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gut unter anderem als Verwaltungssitz, Kulturhaus, Kindergarten und Wohnhaus.

Bis zur Enteignung hatten kunstvoll bemalte Leinwandtapeten, die die Kreidefelsen auf Rügen zeigen, den Festsaal des Gutshauses geschmückt. Sie wurden von dem zu Lebzeiten berühmten und von Goethe sehr geschätzten Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert geschaffen, der zwischen 1762 und 1764 im Herrenhaus wohnte. Nachdem die Tapeten restauriert und der Festsaal instand gesetzt vworden sind, kann man sie heute wieder an ihrem angestammten Platz zu bewundern.

Inzwischen hat sich das Gutshaus Boldevitz nicht nur zu einem kleinen Ferienparadies mit Wohnungen, Park, Teichen, Tennisplätzen und Reitanlage gemausert, die kleine Kapelle dient auch als Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

 

Weithin sichtbares Wahrzeichen

Kein Zweifel: Das Jagdschloss Granitz ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Insel Rügen. Auf dem 107 Meter hohen Tempelberg erhebt es sich weithin sichtbar über die üppigen Buchenwälder der Granitz.

Ab 1837 ließ Fürst Malte zu Putbus das Jagdschloss am Standort eines 1726 erbauten kleineren Jagdhauses erbauen. Die Entwürfe lieferte der Berliner Architekt Johann Gottfried Steinmeyer. Der 38 Meter hohe Mittelturm, der ab 1844 im ehemaligen Lichthof errichtet wurde, entstand nach Plänen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel.

Seinerzeit diente das Jagdschloss zu Repräsentationszwecken und als Gästehaus für den Adel, zwischen 1856 und 1872 lebte die Familie zu Putbus wegen eines Brandschadens am Schloss Putbus selbst auf dem Jagdschloss und seit 1900 wird der Bau – erst teilweise, später vollständig – als Museum genutzt.

Der neogotische Bau ist heute eines der meistbesuchten Museen des Landes und beeindruckt seine Besucher vor allem mit der kunstvollen gusseisernen Wendeltreppe und dem weiten Blick über Insel und Ostsee, der sich vom Mittelturm aus bietet.

 

Schweden in Spyker

167 Jahre lang gehörte Rügen zum Königreich Schweden. Mit dieser Zeit besonders eng verbunden ist das Schloss Spyker: Carl Gustav von Wrangel, der erste schwedische Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern, erhielt nach dem Westfälischen Frieden 1648 das Gut Spyker als Lehen. Er  ließ das Herrenhaus des Gutes umbauen, lebte dort bis zu seinem Tode und vererbte das Gut zunächst seiner Tochter, die in das Haus Putbus eingeheiratet hatte.

Nachdem Rügen 1815 preußisch wurde, ging das Gut samt Schloss schließlich in den Besitz der Familie zu Putbus über, die 1945 enteignet wurde. Danach wurde es unter anderem als Ferienheim des staatlichen Feriendienstes des FDGB (Freier Deutsche Gewerkschaftbund der DDR) genutzt und wie viele andere Schlösser und Herrenhäuser nur notdürftig instand gehalten.

Seit das Schloss, das im Kern ein Renaissancebau ist und seine Wurzeln im Mittelalter hat, nach der Wende aufwändig saniert wurde, wird es seit 1990 als Hotel und Restaurant genutzt.

 

Im ältesten Ort der Insel

Das kleine Dorf Ralswiek, das die älteste Siedlung der Insel sein soll, kennen Rügen-Urlaub vor allem wegen der Störtebeker Festspiele, die dort auf der Freilichtbühne allsommerlich für actionreiche Unterhaltung sorgen.

Doch lange bevor diese Bühne entstand, gehörten weite Teile des Dorfes zu einem Gut, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht und im Lauf der Jahre verschiedene Besitzer gehabt hat – darunter auch den Schweden Carl Gustav von Wrangel. 1886 ging es an Hugo Sholto Graf von Douglas, einen Unternehmer und Politiker aus Aschersleben; 1939 erwarb es die damalige Marineverwaltung und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude als Wohnhaus sowie als Alten- und Behindertenheim genutzt.

Das Schloss, das vor allem durch Neorenaissance- und Jugendstilelemente und den weitläufigen Park mit den alten und seltenen Bäumen ins Auge fällt, wurde ab dem Jahr 2000 saniert und zum Schlosshotel umgebaut.


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