„Hiddensee im Winter. . . ist ein bisschen wie Lappland“


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

2006: Dreharbeiten mit Jürgen Vogel und Peter Lohmeyer auf dem Söten Länneken Hiddensee.

Der Eigenbrötler Ben (Peter Lohmeyer) entdeckt in einer gestrandeten Jolle den kleinen Flüchtling Satya (Brevin Koneswaran). Satya wird von der dänischen Ausländerbehörde gesucht. Ben, der beim Fluchtversuch aus der DDR einst Frau und Kind verloren hatte, nimmt den Jungen aus Sri Lanka bei sich auf. Ausgerechnet Bens Erzfeind, der Polizist und Ex-Grenzsoldat Straussenberg (Jürgen Vogel), erfährt davon. Es wird spannend in dieser Geschichte von Kristin Derfler.

Unter dem Arbeitstitel „Über die Ostsee in die Freiheit“ hat die Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH vom 23. Februar bis 31. März 2006 auf Hiddensee gedreht.
Und ich bin dabei. Auf einer nahezu autofreien Insel. In arktischer Kälte. Selbst für den in Finnland geborenen Regisseur Hannu Salonen eine Herausforderung: „Es gefällt mir aber, weil die Umstände uns alle anspornen. Jürgen und Peter sind hart im Nehmen. Keiner beschwert sich.“ Er überlegt kurz: „Hiddensee im Winter ist ein bisschen wie meine Heimat Finnland. Die Insel erinnert mich an Lappland und seine ewigen Weiten – ein Dreh unter extremen Bedingungen.

2005/2006: Mit fetten Schlagzeilen rücken die Medien Mecklenburg-Vorpommern in den Fokus: Die Vogelgrippe. Am Set ist das kaum ein Thema. „Die Frau am Fährticket-Schalter hat mich vor ein paar Tagen nach meinem Namen gefragt“, grinst Jürgen Vogel. „Vogel? Das passt ja“, habe die Kassiererin gelacht. „Sehen sie sich bloß vor.“

Vogel und Lohmeyer haben sich kalte Knochen geholt bei den Dreharbeiten in dieser Nacht am Meer: Der Sturm pfeift. Wellen klatschen an den Strand. Scheinwerfer stehen im Sand. Andreas Doub hat seine Kamera mit einem gefütterten „Maßanzug“ vor Gischt und Frost geschützt. Regisseur Hannu Salonen im dicken Anorak. Und Lohmeyer fast ganz in Neopren. Doch die Kälte kriecht langsam nach oben. Wie soll er nur die Füße wieder warm bekommen, ohne die komplette Montur auszuziehen und noch mehr zu frieren? „Ganz einfach: mit dem Anzug rein in einen Bottich mit warmem Wasser. Wir haben es ausprobiert. Das funktioniert.“

Peter Lohmeyer (geboren am 22. Januar 1962) spielt den Fahrradverleiher Ben. Und wenn er nicht gerade wie in dieser Szene Eisbader ist, genießt er es, dienstlich mit „seinem“ Pferdefuhrwerk über die Insel zu fahren. So, wie die Regie es will. Egal, ob es stürmt oder schneit. „Der Winter hat uns nun mal kalt erwischt. Es kann nur besser werden. Aber auf dem Bock zu sitzen mit den beiden Pferden davor – das ist schon etwas Großes“, schwärmt der Künstler. Umsatteln aber möchte er nicht. Er bleibt lieber bei seinem Job, der ihm 2004 den Publikumspreis „Schauspieler des Jahres“ eingebracht hat. „Die Insel ist in dieser Jahreszeit relativ einsam. Doch ich habe gestaunt, was für gute Gaststätten und Kneipen hier geöffnet haben. Der gebratene Dorsch und der Boddenzander. Einfach lecker.“

Die kalte Nacht an und in der Ostsee ist vorbei. Bis zum frühen Morgen dauert der Dreh, dann rauf aufs Fahrrad.
Ab zum Hotel. In die weichen Kissen. „Wo hat man das schon und kann mit dem Fahrrad zum Set und zurück fahren“, lacht Jürgen Vogel. „Irgendwie ist das total verrückt.“ Eines Nachts wäre er mit seinem Drahtesel beinahe im Bodden gelandet. Eine scharfe Kurve hatte er einfach übersehen. „Einige Kollegen haben sich jetzt LED-Strahler besorgt. Mit diesen mitlenkenden Leuchten auf den Köpfen kann nichts mehr passieren.“

Es liegt was in der Luft bei diesen Dreharbeiten. Auch Jürgen Vogel hat sich angesteckt. Nicht mit Vogelgrippe – aber mit dem Virus, das den Namen „Hiddensee“ trägt. Er hat sich verliebt in die Insel. Und er wird wiederkommen, verrät er mir. Privat. Ungeschminkt. In Zivil. Ganz sicher auch im Sommer. „Die Insel gefällt mir. Habe noch längst nicht alles entdeckt.“

 

Text und Fotos: Holger Vonberg


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