Rügens kleine Schwestern


RÜGENPUR - das Magazin der Insel für Tourismus und Kultur

Rügen, die größte deutsche Insel, fällt auf durch ihre archipelartige Grundfläche mit Buchten, Wieken und von stark ausgeformten Halbinseln umschlossenen Bodden. Diese Beschaffenheit hat den Bewohnern schon immer Anlass gegeben zu Vermutungen über die Entstehung der Insel: Sagen von Riesen oder kleinen Männchen, die hier Sand beim Transport verloren, wo heute Hügel oder Landvorsprünge liegen. Oder die dort durch Zauberei Überflutungen herbeiführten und Landerhebungen in Inseln verwandelten. Auch wenn Geologen und Geografen die Entstehungsgeschichte entzaubert und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt haben, sind bis heute viele der mythischen Inselgeschichten im Bewusstsein geblieben – wie zum Beispiel die Sage von der geizigen, reichen Frau Hidden, deren morgendliches „kleines Geschäft“ durch Magie und zur Strafe für ihren Geiz nicht enden wollte und Hiddensee namensgebend zur Insel gemacht habe.

So umgeben Rügen viele kleine und größere Inseln – ihre kleinen Schwestern, die während oder nach der Eiszeit entstanden sind und ursprünglich zur Landmasse von Rügen gehört haben. Heute sind viele dieser zumeist unbewohnten flachen Inseln wichtige Brut- oder Rastplätze der hiesigen Vogelwelt. Sie sind unter Naturschutz gestellt und nicht selten für Besucher gesperrt. Wir haben die Vogelperspektive eingenommen und für Sie auf einige dieser Inseln einen Blick geworfen. Inselchen, die nicht nur für Ornithologen, sondern auch für Segler das Rügensche Seegebiet so einzigartig machen.

INSEL Ruden

54° 12′ 14′ N, 13° 46′ 14′ O
Lage: in der Peenestrommündung auf dem Südende der Greifswalder Boddenrandschwelle, am Südende 1,9 Kilometer vom Peenemünder Haken (Küste) entfernt
Fläche: 24 Hektar
Länge: von Nord nach Süd 2,2 Kilometer
Maximale Breite: 390 Meter
Besonderheit: 20 Meter hoher Leuchtturm am südlichen Ende, 1,2 Kilometer langes Riff mit Robbenbänken. Der Ruden soll bis zu einer Sturmflut 1304 eine Landverbindung zum Rügener Mönchgut gehabt haben. Um 1700 war die Insel noch um das Dreifache größer, sie wurde jedoch durch Meereserosion beständig abgetragen. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Insel als Zoll- und Lotsenstation von Dänen und Schweden genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts begann man, um die Insel als Lotsenstützpunkt zu erhalten, einen Schutzwall zu errichten. Während des Zweiten Weltkrieges Flugbeobachtungsstation und zu DDR-Zeiten Grenzsicherungsposten und Bienenzuchtstation, wird die Insel mit ihrem kleinen Hafen für Sportboote und Tagesausflügler von Karlshagen und Usedom aus heute von zwei Personen bewohnt, die Besucher über die Insel führen.

FÄHRINSEL

54° 33′ N, 13° 7′ O
Lage: östlich von Hiddensee
Fläche: ca. 37 Hektar
Länge: 1,23 Kilometer
Maximale Breite: 580 Meter
Besonderheit: Naturschutzgebiet, für Besucher gesperrt, Vogelrastplatz, weidende Gotlandschafe, 20 Meter breites Feuersteinfeld am Ostufer, Überreste einer Schanze aus der Schwedenzeit mit einem Gegenstück am Stolper Haken. Den Namen verdankt die Insel ihrer bis 1952 dauernden Nutzung als Fährzwischenstation zwischen Rügen und Hiddensee. Ursprünglich war sie Teil Hiddensees, das vor 3.900 Jahren durch Überflutung der eiszeitlichen Endmoränen entstand. Vor 2.900 Jahren begann durch die Brandung die Abtragung des Geschiebemergelblocks zwischen Rügen und der Fährinsel, bis dieser brach und beide Inseln trennte. Die Fährinsel hat trotz Verlust einiger Arten hohe Bedeutung als Brutgebiet für eine Vielzahl seltener Zug- und Brutvögel. Seit 1992 gibt es hier eine Versuchsstelle des Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie Jena.

GREIFSWALDER OIE

54° 14′ 48′ N, 13° 55′ 1′ O
Lage: östlichste deutsche Insel, in der Pommerschen Bucht gelegen
Fläche: 54 Hektar
Länge: ca. 1,55 Kilometer
Maximale Breite: 570 Meter
Maximale Höhe: 19 Meter am Kliff
Besonderheit: Naturschutzgebiet, seltene Pflanzen und Tiere, Hütewald, im Sommer Bärlauchwuchs, 49 Meter hoher Leuchtturm, lichtstärkstes Leuchtfeuer in M-V. Die Greifswalder Oie (niederdeutsch für: kleine Insel) entstand vor rund 14.500 Jahren während der Eiszeit und erhielt ihren Namen durch die historische Zugehörigkeit zu Greifswald, das seine Zuchtpferde zur Sommerweide auf die Oie trieb. Erst ab 1850 gab es eine feste Besiedlung auf der Oie, die von Fischfang und Landwirtschaft lebte. 1855 ging der Leuchtturm in Betrieb und ab 1877 begann Tourismus auf der Insel, einschließlich einer Pension und prominenten Gästen. Unter der Wehrmacht wurde die Oie zum militärischen Sperrgebiet, ein Status, der bis 1995 bestehen blieb. Ab 1995 unter Naturschutz gestellt, besitzt sie bis heute hohe Bedeutung als Rastplatz für Zug- und Brutvögel. Fauna und Flora weisen einzigartige Besonderheiten auf.

INSEL RIEMS

54° 11′ N, 13° 22′ O
Lage: im Südwesten des Greifswalder Boddens zwischen Festland und Rügen
Länge: von West nach Ost 1,25 Kilometer
Maximale Breite: ca. 300 Meter
Besonderheit: seit den 1970-er Jahren durch einen Straßendamm mit dem Festland verbunden, für Besucher gesperrt, früher nur mit einer Seilbahn erreichbar. Riems ist ein wichtiges Rast- und Mauser­gebiet für Wasservögel und teilweise Naturschutzgebiet. Sie war bereits in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Im 14. Jahrhundert ging sie in den Besitz Greifswalds über und wurde als Weideland genutzt. 1910 wurde auf der Insel die heute weltweit älteste virologische Forschungsstätte durch den Greifswalder Friedrich Loeffler eingerichtet, der die Existenz von Viren als Verursacher der Maul- und Klauenseuche feststellte. Im Dritten Reich errichtete man ein Labor zur Entwicklung bio­logischer Kampfstoffe, zu DDR-Zeiten trieb man die Impfstoff­entwicklung voran. Heute ist Riems Sitz des Friedrich-Loeffler-Institutes zur Erforschung von Tierseuchen.

INSEL HEUWIESE

54° 25′ 41′ N, 13° 7′ 10′ O
Lage: ca. zwei Kilometer südlich von Ummanz und westlich von Rügen
Fläche: 14 Hektar
Länge: ca. 900 Meter
Höhe: etwas über 1 Meter
Besonderheit: großflächige Melden­gestrüppe im Zentralbereich – diese nährstoffliebenden Pflanzen können sich dank der intensiven Düngung durch den Vogelkot gut entwickeln. Die unbewohnte Insel Heuwiese gehört als Refugium des Vogelschutzes zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und ist ein typisches Salzgrasland. Sie ist aus trockenfallenden Anlandungen (Windwatten) entstanden und wird wegen der geringen Höhe regelmäßig überflutet. Namensgebend ist die ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung als Viehweide. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Insel als Seevogelkolonie bekannt, darunter vor allem für Kormorane. Die eigentlichen Baumbrüter, bauen auf der Heuwiese hohe Nester auf dem Boden. Bereits 1939 stellte man die Insel als Brutstätte für Küstenvögel unter Schutz.

INSEL Liebitz

54° 23′ 58′ N, 13° 12′ 51′ O
Lage: im Kubitzer Bodden ca. 700 Meter westlich von Rügen
Fläche: ca. 64 Hektar
Länge: 1 Kilometer
Maximale Breite: 700 Meter
Besonderheit: Natur- und Vogelschutzgebiet, Beweidung mit Schafen außerhalb der Brutkolonien, unbewohnt, Betreten des Vogelschutzgebietes ohne Genehmigung nicht gestattet. Die Insel Liebitz wird schon seit Jahrhunderten gezielt bewirtschaftet. Im 1. Jhd. n. Chr. bestand wahrscheinlich noch eine Landverbindung zu Rügen. Erstmals erwähnt wurde „Werder Lypitze“ 1386 in den Urkunden des Klosters Hiddensee. 1611 gelangte die Insel durch Verkauf aus Klosterbesitz an den Hof Ralow und ist seit 1994 in Privatbesitz. Die Insel mit ihren flachen Salzwiesen ist Teil des nach ihr benannten Naturschutzgebietes. Hier brüten Lach- und Sturmmöwen in großen Kolonien, Wiesenlimikolen und Entenvögel. An der Steilküste des Moränenkerns siedeln Uferschwalben. Seit 1998 sind die Brutbestände nach einem drastischen Rückgang ab 1992 stabil.


FEEDBACK

ABO